Déjà-vu: GIFs bei den Olympischen Spielen 1900, 2012 und 2016

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Runde um Runde dreht sich die Turnerinnen am Reck. Endlos. Immer wieder auf die gleiche Weise. Eigentlich müsste die sportliche Ausdauer irgendwann nachlassen, aber im GIF ist die Bewegung in einer Schleife festgehalten, die so lange anhält, wie die Betrachter in ihrer Schaulust ausharren. Wiederkehrende Bewegungen gehören zu den klassischen GIF-Motiven, egal ob von Mensch, Tier oder Maschine, ob Tanz, Produktionsstraße oder eben Leibesertüchtigung.

Turnübungen sind damals (hier von Ottomar Anschütz) wie heute ein beliebtes Bewegtbild-Motiv.
Turnübungen sind damals (hier von Ottomar Anschütz) wie heutzutage ein verbreitetes Bewegtbild-Motiv.

Längst nicht immer ist das Motiv eine perfekte Kür oder überhaupt ein Loop, auch Fails oder andere Ausschnitte sind beliebt. Auf jeden Fall aber sind sportliche Ereignisse einer der häufigsten Motivgeber für GIFs.

Vier Jahre – eine Olympiade also – liegt der Hype um den 25. Geburtstag des GIF-Dateiformats nun zurück. Dieses Jubiläum markiert in der Geschichte der GIF-Kultur die Phase, in der sich GIFs einer sehr breiten Publikumsmasse als Kulturtechnik erschlossen. Wir erinnern uns: Das Oxford Dictionary hat „gif“ zum Wort des Jahres erkoren, zahlreiche Rückblicke auf die vergangenen GIF-Dekaden waren in den Medien zu lesen und vor allem wurden sie als journalistisches Medium entdeckt.

Diesen neuen Anwendungsbereich haben GIFs wohl unter anderem den Olympischen Spielen in London zu verdanken, die im gleichen Jahr stattfanden. Dank einer Animation von einer Turnübung in permanenter Wiederholung werden die Feinheiten des Sports besonders gut sichtbar. Das, worauf die geschulten Augen der Jury achten, wird hierbei auch für andere besser zu analysieren und das Jury-Urteil wird besser nachzuvollziehen.

Schon mehr als hundert Jahre zuvor bestand der Wunsch, die Bewegung von Mensch und Tier besser analysieren zu können und bereits damals wurden Serienbilder eingesetzt. Die Chronofotografie des galoppierenden Pferds, aufgenommen von Eadweard Muybridge, genießt noch immer große Bekanntheit. Nicht nur er, auch Zeitgenossen wie Etienne-Jules Marey, Ottomar Anschütz, Georges Demenÿ und einige weitere hatten menschliche Bewegungsabläufe als Motiv für ihre Bilderserien erkannt. Mit ihren Chronofotografien hielten sie häufig Menschen fest, dierannten, Treppen stiegen, Purzelbäume schlugen oder ähnliches – und das nicht selten fast nackt.

Während dieser Vor- und Frühgeschichte des Kinos fertigte Marey bei den Olympischen Spielen in Paris im Jahre 1900 Fotoserien von den Sportlern an. Hierfür benutzte er einen kuriosen Apparat, der mehr an ein Gewehr als an eine Kamera erinnert und meterweise Film in kurzer Zeit in Fotoserien verwandelte. So wie GIFs heute die sportlichen Bewegungsabläufe besonders gut für das Publikum sichtbar machen, konnte Marey auf ähnliche Weise die Technik der Sportler aus anderen Ländern auskundschaften.

Durch eine genaue Analyse der einzelnen Aufnahmen waren mehr Details zu erkennen als mit bloßem Auge während des Wettkampfes selbst. Nicht nur konnte er erkennen, dass die Olympioniken aus den USA wegen ihrer besseren Technik siegten, das gesammelte Bildmaterial konnte später eingesetzt werden, um seinen französischen Landsleute später eben jene sportlichen Techniken beizubringen.

Eine Animation der Serienbilder war nicht Mareys eigentliches Interesse. Da er die Fotografien für Analysezwecke erstellte, ging es ihm vor allem um die einzelnen Standbilder. Heutzutage ist es andersherum. Die Feinheiten der sportlichen Bewegung werden mithilfe von Loops besonders anschaulich, ohne dabei den Bewegungsfluss außen vor zu lassen.

In den letzten Jahren seit den Olympischen Spielen in London hat sich der Gebrauch von GIFs im Online-Journalismus natürlich weiterentwickelt. Sie werden vorrangig zu Unterhaltungszwecken eingesetzt, etwa um „die besten Momente“ eines Films oder einer Serie zu rekapitulieren. Sport-GIFs kommen dabei nicht zu kurz, wie in diesem Beitrag mit Tennis-GIFs, die angeblich zum lachen, weinen und schreien anregen (Clickbait ick hör dir trapsen), oder zahlreichen Football-GIFs auf Twitter, die bereits Konflikte mit der NFL (US-Football-Liga) nach sich zogen.

Trotz aller Nachteile und Limitationen des GIF-Formats kann es angemessen für Berichterstattung oder sogar Wissensvermittlung eingesetzt werden und zeigt vor allem beim Sport seine Stärken. Aber gerade angesichts dessen, dass GIFs selbst im journalistischen Kontext mit Vorliebe zur Unterhaltung eingesetzt werden, bleibt es abzuwarten, ob die Olympischen Spiele 2016 das Potenzial von Animationen ausschöpfen, so wie 2012, oder ob GIFs im Journalismus doch nur zum Clickbait-Instrument verkommen werden.

Literaturtipp zu den Arbeiten von Marey, u.a. bei den Olympischen Spielen:
Braun, Marta (1994): Picturing Time. The Work of Etienne-Jules Marey (1830-1904). Chicago: University of Chicago Press.

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GIF-Geschichte Teil 5: Die Meme-Schleuder

Nach einiger Zeit nun hier endlich der fünfte und vorerst letzte Teil der GIF-Kulturgeschichte, der die Entwicklung bis in die jüngste Zeit beschreibt und somit auch die meist noch recht gut bekannten Aspekte beschreibt. Für die weiter zurückliegenden Geschehnisse seien natürlich die vorherigen Teile dieser Serie ans Herz gelegt: Einleitung, Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4.

In den über 20 Jahren, die das World Wide Web nun öffentlich zugänglich ist, waren GIFs ein steter Begleiter. Während der gesamten Zeit scheint, trotz einzelner Tiefpunkte, ihre Beliebtheit einfach nicht abzureißen. Besonders deutlich wurde dies zum 25jährigen Jubilärum des Formats im jahr 2012, als GIFs auch in der Öffentlichkeit als eigenständige Kulturtechnik anerkannt wurden, hauptsächlich durch die vielen Medienberichte. Als Teil des Webdesigns spielen GIFs jedoch kaum noch eine Rolle, hier haben sich andere Mittel durchgesetzt. Die Animation steht nicht mehr als technische Eigenschaft des Dateiformats im Vordergrund, sondern als Erscheinungsbild eines Unterhaltungsmediums. GIFs dienen also nicht mehr (oder nur noch selten) zur Untermalung anderer Inhalte, indem sie animierter Teil der Seitengestaltung sind oder als Bilder nur in Begleitung eines Textes existieren. Sie haben sich emanzipiert und sind selbst zum Schauplatz des Geschehens geworden. Dabei weisen sie technisch gesehen freilich die gleichen Rahmenbedingungen auf, die GIFs schon immer innehatten, jedoch werden sie nun viel mehr als erzählerisches Medium genutzt.

Ihre Nachteile wie der fehlende Ton und die nicht vorhandene Interaktionsmöglichkeit (GIF-Animationen lassen sich nicht pausieren oder spulen) sind kein Dämpfer für die steigende Popularität, sondern scheinen schlicht als die Rahmenbedingungen anerkannt worden zu sein, mit denen im GIF-Format zu arbeiten ist. Nicht nur dass diese Einschränkungen gar nicht als Hindernis wahrgenommen werden, sie werden sogar positiv als prägende Merkmale des Mediums verstanden. Diese Entwicklung ist in etwa vergleichbar mit der veränderten Rezeption von 8-Bit-Musik. In frühen Konsolen- und Computerspielen war diese Art der Musik mangels leistungsfähigerer Technik der Standard. Dadurch, dass Computer nun längst mit höher aufgelösten Audiodaten umgehen können, fällt 8-Bit-Musik aber nicht unter den Tisch. Sie wird stattdessen künstlerisch als eigene Gattung verwendet, die mit einem gewissen Retro-Charme behaftet ist, was sich im Grunde auch von GIFs behaupten lässt.

In den 2000erjahren waren GIFs nicht mehr nur als Ganzes ein Internetphänomen, sondern auch bestimmte einzelne GIFs sind so berühmt geworden, dass sie sich zu Memen entwickelt haben. Schon zuvor verbreiteten sich einzelne besonders bekannte GIFs wie ein Lauffeuer durch das Internet, zwei der prominentesten Beispiele aus den 90ern sind das tanzende Baby und der tanzende Hamster. Doch die Anzahl solcher sehr bekannten GIFs, die nicht nur animiertes Element einer Seitennavigation sind, sondern als eigenes Werk Beachtung finden, nahm erst im neuen Jahrtausend eklatant zu. Der Trend, in animierten GIFs Tänze, Tiere oder gar tanzende Tiere zu zeigen, hält aber bis heute an.

Je weiter die Entwicklung des Internets in die Gegenwart fortschreitet, um so dürftiger wird die literarische Quellenlage in Bezug auf GIFs. Es scheint beinahe, als hätte sich die Relevanz des Internets für die Wissenschaft drastisch reduziert, seit auch seine Nutzung mit Einführung des World Wide Web der Allgemeinheit zugänglich wurde und es nicht mehr nur vorrangig an Universitäten beheimatet war. Glücklicherweise ist es eine Eigenschaft des Internets, dass es sich umfassend mit sich selbst auseinandersetzt, sodass die umfangreichste Geschichte des Internets nicht etwa in Bibliotheken, sondern in sich selbst beherbergt ist, wenn man nur tief genug sucht. Dies ist auch für die jüngere Geschichte der GIFs der Fall. Um diese nachzuvollziehen, lohnt sich ein Blick in die zahlreichen Retrospektiven, welche zum 25jährigen Jubiläum des Formats auf mehreren Blogs und anderen Internetseiten, genau wie in „herkömmlichen“ Publikationsmedien erschienen sind.

The Daily Dot – laut Eigenbezeichnung das „hometown newspaper of the world wide web“ – beschäftigte sich in zahlreichen Artikeln sehr ausgiebig mit GIFs, sowohl mit neuen Trends wie auch mit der Aufbereitung ihrer Geschichte. Das gewachsene Interesse der Berichterstattung über GIFs zum Jahrestag des Formats kam auch dort zum Ausdruck. Beispielsweise in einem Interview mit Olia Lialina, einer Künstlerin, welche bereits in den Neunzigern GIFs auf künstlerische Weise einsetzte, statt als bunt blinkende Seitengestaltung. Sie skizziert drei Phasen der Entwicklung animierter GIFs:

1990s culture: GIFs contain classic animation; the backgrounds are transparent so they can be used in many graphical contexts.

Beginning of the 21st century: Big, motionless, glittering (or other automatically generated) graphics used on Myspace and other PimpMyProfile-style social networks.

Current time: Looped sequences made from video captures of movies or TV shows, distributed in blogs, not integrated into the page design surrounding it.

Einerseits stellt sie damit den bereits erwähnten Unterschied zwischen anfänglichem Gebrauch als Gestaltungselement und heutiger Verwendung als Unterhaltungsmedium dar. Andererseits bemerkt sie, dass der erstgenannte Anwendungsbereich noch am Anfang des 21. Jahrhunderts populär war. Besonders auf Myspace war es zu beobachten, dass die individuellen Seiten der Benutzer nicht von professionellen Webdesignern gestaltet wurden, sondern von den Nutzern selbs. Hierfür bot sich ein leicht zugängliches Format wie GIF an. Der Glitzer-Effekt, von dem Lialina spricht, ist zwar auch eine Form von Animation, unterscheidet sich aber deutlich von der zuvor und mittlerweile wieder üblichen Form der Serienbild-GIFs. Ob im Gegensatz dazu Glitzer-GIFs nun positiv oder negativ bewertet werden ist natürlich eine Geschmacksfrage. Eine anschauliche Gegenüberstellung der beiden Spielarten bieten Olia Lialina und Dragan Espenschied in ihrer „Comparative History of Classic Animated GIFs and Glitter Graphics“. Oder auch in der, noch weiter ins heutige Internet reichenden, “Animated GIFs timeline“.

Der Umschwung vom Gebrauch als Gestaltungselement zum gegenwärtigen Umgang mit GIFs lässt sich zeitlich nicht scharf abgrenzen. Er fällt ungefähr in den Zeitraum seit Mitte der Nullerjahre bis in die frühen Zehnerjahre. Hier kamen mehrere Umstände zusammen: Das WWW wurde zunehmend zum ständig aufgesuchten Ort des sozialen Lebens, in dem die Rollen der Sender und Empfänger immer mehr vereint wurden. Die in dieser Zeit geprägten Begriffe „soziales Netzwerk“ und „Web 2.0“ sind Zeugen dessen. Auf technischer Seite ist die Entwicklung des Videostreamings hervorzuheben, was auf den ersten Blick als aufkommende Konkurrenz zu GIFs angesehen werden könnte (doch in Wahrheit waren video-ähnliche, erzählerische GIFs vorher überhaupt nicht verbreitet, sondern kamen erst in neuerer Zeit auf). Und nicht zuletzt sind im besagten Zeitraum die mit dem GIF-Format verbundenen Patentrechte endgültig ausgelaufen (vgl. Teil 4).

Als eine Art Lexikon der Meme ist die Seite Know Your Meme eine ertragreiche Anlaufstelle sowohl für Beispiele als auch für die Hintergründe der Entwicklung diverser Internetphänomene. Die Seite mag als Meme-Sammelstelle nicht den besten Ruf bei denen genießen, die sich für die Verbreitung von Memen verantwortlich zeigen. Doch die Autoren sind bemüht, die Hintergründe der Internetphänomene detailliert zu ergründen, und verweisen dabei auf belastbares Quellenmaterial. Für den oben eingeführten Zeitraum in der Geschichte der GIFs wird dort der Begriff „Pre-YouTube Era“ verwendet. Die Bezeichnung ergibt zugleich eine wunderbare Analogie zum Pre-Cinéma, welches die Phase im späten 19. Jahrhundert beschreibt, als jene mechanischen Bewegtbildmedien populär waren, welche aus heutiger Sicht als Vorläufer des Kinos gelten.

Die Pre-YouTube-Ära ist folglich eine Übergangsphase, in der sowohl Bilder und Audioinhalte, als auch Animationstechniken bereits im Internet verbreitet und sogar Videos schon im Netz anzutreffen waren, doch eine Einbindung von Videos im Internet im heutigen Ausmaß noch nicht denkbar war. Internetseiten, die die Massenhafte Verbreitung von Videos ermöglichten, entstanden Mitte des ersten Jahrzehnts (YouTube im Jahr 2005, Vimeo 2004), erlebten aber erst nach einigen Jahren einen massiven Nutzungsanstieg. In diese Zeit fällt auch die erfolgreiche Phase der Seite ytmnd.com (kurz für „You’re The Man Now, Dog“), auf der Nutzer eigene, einfach gehaltene Seiten erstellen konnten, auf denen Musik oder andere Audioinhalte in Dauerschleife laufen, während als Seitenhintergrund ein Bild (häufig ein GIF) mehrfach als Kacheln angeordnet zu sehen ist. YTMND war in besagter Prä-YouTube-Ära eine bedeutende Sammelstelle für Internetphänomene und somit auch für GIFs und legte einen Grundstein für deren Gebrauch als Unterhaltungsmedium. Auch als YouTube heranwuchs und immer mehr benutzt wurde, erfreute sich YTMND für eine Weile noch großer Beliebtheit, sodass die GIF-Kultur unter anderem dadurch am Leben gehalten wurde (vgl. Artikel auf knowyourmeme.com).

Zunächst waren Videoeinbindungen von YouTube und anderen Seiten noch nicht oder nur sehr begrenzt möglich. Das Forum 4chan oder dessen deutsche Variante Krautchan boten bis vor kurzem keine Möglichkeit, Videos direkt auf der Seite einzubinden, sodass maximal Links auf Videos angegeben werden können. In solchen Fällen boten und bieten GIFs einen einfachen Ersatz für Videos. In neuerer Zeit sind demnach häufig GIFs anzutreffen, welche lediglich Ausschnitte aus Videos sind, wie Lialina im obigen Interview-Zitat erwähnt. Als Mittelweg zwischen Bild und Video hatten sich GIFs hier eine Nische geschaffen, in der sie zum eigenständigen Erzählwerkzeug etabliert wurden.

Aus den vielen Memen, welche den Foren auf 4chan entstammen, bieten die Reaction GIFs ein gutes Beispiel für die Etablierung von GIFs als eigenständige Kulturtechnik. Während bereits aus früherer Zeit Smileys verschiedenster Formen aus Mails, Chats und Foren bekannt waren, ist auf 4chan und vergleichbaren Seiten ohnehin in jedem Beitrag der Platz für ein Bild vorgesehen. Was läge da näher, als die Stimmung des Beitrags beziehungsweise der Autoren statt in einem Smiley in eben jenem Bild auszudrücken? Dort wird eine weitaus größere Informationsdichte geboten als in einem kleinen Smiley innerhalb des Textes. Fernando Alfonso Ⅲ, Autor bei The Daily Dot, bezeichnet daher Reaction GIFs nicht von ungefähr als „new emoticons“, also neue Version von Smileys. Den entscheidenden Vorteil von GIFs gegenüber Smileys sieht er wie folgt: mit einem Bild, noch dazu einem animierten, steht ein viel größeres Spektrum möglicher Motive zur Verfügung, um die eigenen Empfindungen auszudrücken, als mit schematischen Gesichtern, welche mitunter auch nur aus ASCII-Zeichen zusammengesetzt sind.

Doch nicht nur auf 4chan verbreiten sich GIFs. Einen nicht unwesentlichen Anteil an ihrer aktuellen Popularität trägt Tumblr. Hier ist, anders als beispielsweise auf Facebook oder bis vor kurzem auf Twitter, das Einbinden von GIFs gestattet, sodass es zu einer beliebten Anlaufstelle für GIFs im allgemeinen und GIF-Künstler im besonderen geworden ist, wie auch Olia Lialina bemerkt. GIFs und Meme allgemein, die 4chan, Tumblr, Reddit und anderen Seiten entstammen erfreuen sich seit Jahren so großer Beliebtheit, dass sie auf eigens eingerichteten Seiten gesammelt werden: cheezburger.com, 9gag.com und knowyourmeme.com sind nur einige davon. Auf GIFs spezialisiert haben sich beispielsweise senorgif.com, 4gifs.com und das „Reaction GIFs Archive“. Getragen durch den Hype der letzten Jahre erblickten gar eigene GIF-Suchmaschinen das Licht der Öffentlichkeit, zum einen die Seite giphy.com und zum anderen die GIF-Kategorie der Google-Suche. Die Verbreitung des Internets auf Mobilgeräten hat ebenso Auswirkungen auf die GIF-Kultur, denn für Mobiltelefone mit Kamera sind eigens Werkzeuge für die GIF-Produktion und -Verbreitung erhältlich, wie beispielsweise die Apps GifBoom oder Cinemagram, um nur zwei von vielen zu nennen. Hierzu bezieht wiederum Lialina den Standpunkt:

Personally I was very surprised that there are apps for making GIFs, because I see apps as a force biased towards killing the Web […] And GIFs are the spirit of the Web!

Mit solchen Werkzeugen wurde der schon immer simple Umgang mit GIFs noch weiter vereinfacht. Sie lassen sich nun mit Alltagsgegenständen und in wenigen Augenblicken automatisiert erstellen. Als ein solches universelles Verständigungsmittel, welches einfach zugänglich ist, jedoch nicht alle theoretisch möglichen Funktionen bietet, bezeichnet Alfonso GIFs als eine Art „pidgin language for the Internet“.

Dass sich gerade GIFs gegenüber MNG, APNG oder auch Flash gehalten haben, dürfte aus technischer Sicht drei Umständen geschuldet sein.

Zunächst einmal ist GIF seit Beginn des WWW ein Standardformat und wird weiterhin von allen Browsern unterstützt, was bei allen anderen genannten nur mit zusätzlichen Plugins möglich ist (außer bei APNG, jedoch wird auch dies nicht von allen Browsern und zudem erst seit wenigen Jahren nativ unterstützt).

Zweitens sind alle das GIF-Format betreffenden Patente ausgelaufen, sodass nicht einmal mehr für De- und Encoder Gebühren fällig wären. Wo bereits GIFs unterstützt werden, besteht in Sachen der Lizenzprobleme also kein Grund mehr, dem ein Ende zu setzten. Ganz im Gegenteil: Dank der nun freien Nutzungsmöglichkeit sind in jüngerer Zeit wieder neue Werkzeuge zur GIF-Erstellung im (mobilen) Internet entstanden.

Und drittens bleibt die einfache Benutzbarkeit von GIFs deren große Stärke. Für anspruchsvolle Animationen ist dies bei weitem nicht ausreichend und in diesem Bereich ist GIF nicht mehr in nennenswertem Umfang gebräuchlich. Doch für die geänderten Ansprüche im sogenannten Web 2.0 bietet es die richtigen Voraussetzungen. Wenn die Grenze zwischen Produzenten und Konsumenten von Medieninhalten verwischt und alle Internetnutzer zu Sendern werden, haben GIFs das Potenzial zum grundlegenden Werkzeug, welches dank einfacher Benutzung von allen beherrscht wird.

Aus diesen drei Punkten resultiert jedoch noch ein wahrscheinlich viel schwerwiegender Umstand, der GIFs das Monopol sichern konnte. Durch die mangelhafte Unterstützung von APNG und MNG in Browsern gab es keinen Grund, auf diese Formate umzusteigen, wenn ein möglichst großes Publikum angesprochen werden soll. Und wenn kaum Bilder als APNG verbreitet werden, kann sich auch keine APNG-Kultur als Alternative zu GIFs herausbilden.

Hauptsächlicher Verbreitungsweg für GIFs ist weiterhin zweifelsohne das Internet, wofür das Format auch entwickelt wurde. Doch ein sehr deutliches Indiz für die große Relevanz, die es erlangt hat, ist die Verbreitung des Phänomens außerhalb des Internets. Die Oxford Dictionaries USA wählten „GIF“ als Verb zum Wort des Jahres:

GIF, verb
to create a GIF file of (an image or video sequence, especially relating to an event)

Wenngleich sich darüber streiten ließe, ob der Gebrauch des Wortes als Verb besonders populär ist, kennzeichnet diese Auszeichnung gewissermaßen die Anerkennung von GIFs als eigene Kulturtechnik. Den künstlerischen Dimensionen des Formats wird indes durch Ausstellungen und Festivals über/für GIFs Rechnung getragen, beispielsweise beim Festival „Moving the Still“. Daneben werden in zahlreichen Kunstprojekten Bezüge zu den Bewegtbildapparaten der Kinovorzeit hergestellt, so etwa beim „Animated Gif Player“, der auch außerhalb des Internets mit einem Apparat ähnlich dem Phenakistiskop animierte Katzenbildchen zeigt.

Und mit diesem Bogen zurück zu den mechanischen Bewegtbildmedien des Pre-Cinema endet diese Artikelserie über die Geschichte animierter GIFs zunächst. Was noch nicht endet, ist die Geschichte der GIFs. Aktuelle Entwicklungen wie der zur Zeit laufende Formatkampf zwischen GIFs und WebM/MP4 werden zukünftig noch genauso in diesem Blog betrachtet werden wie eine Gegenüberstellung von GIFs mit den früheren mechanischen Bewegtbildmedien – wobei sich durchaus bemerkenswerte Gemeinsamkeiten in den jeweiligen Entwicklungen der Phänomene feststellen lassen.

Fußnoten:

1 – Seit April 2014 können Videos im WebM-Format an die Forenbeiträge beigefügt werden. Zum Entstehungszeitpunkt dieses Textes (Anfang 2013) waren Videos nach wie vor von den imageboards ausgeschlossen.

2 – Die GIF-Einbindung auf Twitter geschieht aber nur zum Schein. Ein hochgeladenes GIF wird konvertiert und als MP4-Video in Dauerschleife angezeigt.

GIF-Geschichte Teil 4: PNG’s not GIF

Ich würde empfehlen, die vorherigen Teile dieser Artikelserie zuerst zu lesen: Einleitung, Teil 1, Teil 2, Teil 3.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde das GIF-Format einerseits wegen der rechtlichen Unklarheiten und der technischen Vorzüge anderer Formate als überholt und nahezu ausgestorben angesehen, während andernorts bereits erkannt wurde: „GIF macht trotzdem keine Anstalten, in naher Zukunft von der Bildfläche zu verschwinden.“ Beide Einschätzungen sind in gewissem Maße zutreffend – nicht animierte GIFs wurden nach und nach vom PNG-Format verdrängt, während es für animierte GIFs keine gleichwertige Alternative gab und sie sich deshalb halten konnten. Doch auch dies sollte sich bald ändern, da andere Anima­tionsmöglichkeiten auf dem Vormarsch waren.

Seit der Version GIF89a wurden an dem Format tatsächlich keinerlei Neuerungen vorgenommen und ein heutiges GIF sieht technisch genau so aus wie vor einem Vierteljahrhundert. Die Umgebung, in dem animierte GIFs auftreten, war allerdings von erheblichem Wandel begriffen. Die geringe Dateigröße von GIFs wurde angesichts stetig besserer Verbindungsraten immer weniger zum Vorteil gegenüber aufwändigeren Animationstechniken wie Flash. Der Bedarf nach diesen vielseitigeren Werkzeugen stieg mit zunehmender Professionalisierung des Webdesigns an, während GIFs zwar leicht zugänglich waren, aber nur einen sehr begrenzten Funktionsumfang boten. Sie wurden zu einer Zeit erheblich schlechterer Bandbreiten entwickelt und waren eigentlich bereits Mitte der Neunziger aus Sicht des technisch Möglichen veraltet.

diagram: GIF vs PNG usage
Source: w3techs.com

Andere Grafik- und Animationsformate wurden stetig verbessert, sodass die ursprünglich vorhandenen Vorteile von GIFs (vgl. Teil 3) größtenteils verschwanden. Nicht animierte GIFs wurden kontinuierlich durch PNG verdrängt – hierzu existiert eine Statistik,  herausgegeben im Januar 2013 von Web Technology Services. Wie im entsprechenden Diagramm oben zu sehen, übersteigt Anfang 2013 erstmals die Nutzung von PNG diejenige von GIF – genauer gesagt die Anzal an Webseiten, die die Formate nutzen. Auf meine Anfrage hin hieß es von W3Techs, dass von vor Januar 2012 leider keine Daten vorlägen, sodass sich leider nicht beurteilen lässt, ob der Trend vorher ähnlich verlief. Die Überschrift geht mit ihrer Deutung der Daten noch einen Schritt über die bloße Feststellung der Verhältnisse hinaus und behauptet, PNG wäre „now more popular than GIF“. Gleich im ersten Kommentar darunter meldet sich Thomas Boutell, maßgeblicher Entwickler von PNG:

When I posted the first draft of PNG (originally called PBF)  back in ’95, I didn’t know for sure that PNG would triumph, but I knew that something would replace GIF. I just didn’t realize it would take 18 years. Better late than never!

Vielleicht sind die beiden Aussagen aus der Überschrift und dem Kommentar aber etwas zu euphorisch, beziehungsweise ein wenig zu kurz gedacht. Einerseits besteht wie üblich bei solchen Statistiken die Frage der Datenzuverlässigkeit. Aber die exakten Prozentzahlen oder das genaue Datum, wann welches Format Vorreiter war, sind gar nicht so bedeutend. Denn der generelle Trend ist deutlich zu erkennen. Viel spannender wären jedoch Daten dazu, wie groß die Anteile animierter und nichtanimerter GIFs sind. Diese Verteilung ist natürlich nur sehr schwierig zu erfassen, aber es wäre zu vermuten, dass der Anteil animierter GIFs den der nicht animierten über die letzten Jahrzehnte hinweg deutlich überholt haben dürfte. Einzelbild-GIFs wurden aus guten Gründen zunehmend von PNG zurückgedrängt, GIF-Animationen hingegen erlebten in den letzten Jahren eine wahre Renaissance und dürften dafür verantwortlich sein, dass das Format überhaupt noch in diesem Ausmaß in dieser Statistik auftaucht. Mit PNG hingegen sind zwar Animationen möglich, aber so gut wie nie anzutreffen. Das hat seine Gründe.

Die Animationsfunktion sollte offiziell gar nicht im Dateiformat PNG eingebunden werden, da die Möglichkeit hierfür während dessen Entwicklungszeit noch nicht einmal bei GIFs bekannt war. Das auf PNG aufbauende und ergänzende Format MNG (Multiple-Image Network Graphics) wurde aber als Möglichkeit gesehen, GIF auch in Hinblick auf Animation vollständig abzulösen. Seine Entwicklung setzte 1996 ein, also kurz nach dem Aufkommen animierter GIFs. MNG basierte zwar gänzlich auf PNG, sollte aber nicht darin integriert, sondern als eigenständiges Format etabliert werden. Im Januar 2001 wurde es schließlich in Version 1.0 veröffentlicht. Neben einer besseren Qualität sind hier die Animationseinstellungen weitaus detaillierter möglich als bei GIF. Doch trotz dieser Verbesserungen gelang es MNG nicht, sich gegen GIF zu behaupten.

PNG war verbreitet und konnte von Browsern ohne weiteres dargestellt werden, wohingegen für MNG als gesondertes Format zusätzliche Plugins nötig waren und meist noch immer sind („Animation support: poor to fair“), was einer weiten Verbreitung natürlich im Wege steht. Mit diesem Problem vor Augen wurde zusätzlich und davon unabhängig das abwärtskompatible*⁴ Format APNG seit 2004 von der Mozilla Corporation entwickelt. Durch eine reduzierte Anzahl von Optionen sind Dateien dieses Formats kleiner als MNGs und zudem wird APNG im verbreiteten Browser Firefox unterstützt, welcher ebenso von Mozilla entwickelt wird. 2007 wurde der Antrag, APNG als offizielle Erweiterung von PNG anzuerkennen, seitens der PNG-Entwickler abgelehnt. Daneben bestehen noch eine Reihe weiterer Versuche, ein animiertes Grafikformat nach GIF-Vorbild, aber auf PNG-Basis zu entwickeln, doch diese Diversifizierung trägt nicht eben dazu bei, ein solches Format zu etablieren.

Etwa zeitgleich ergab sich auf Seiten des GIF-Formats doch noch eine Änderung, jedoch betraf dies nicht die Dateistruktur, sondern die rechtlichen Umstände, welche knapp zehn Jahre zuvor den GIF-Boykott auslösten (vgl. Teil 2). 2003, also 20 Jahre nachdem die bei GIFs verwendete LZW-Komprimierungs-Methode als Patent eingetragen wurde, ging sie gemäß üblichem Verfahren laut US-Recht in die Public Domain über, war also fortan gemeinfrei zu nutzen. Laut Recherchen der Free Software Foundation ist das letzte Patent, das in Verbindung mit GIF steht und von denen es weltweit unterschiedlich lange gültige Versionen gibt, im Jahr 2006 ausgelaufen, womit seitdem keinerlei rechtliche Probleme zu befürchten seien. GIFs konnten bereits zuvor ohne Bedenken erstellt, verbreitet und genutzt werden, doch nun waren keine Gebühren mehr für jene Programme fällig, welche die Betrachtung oder Erstellung ermöglichten.

Nach wie vor existieren zahlreiche Werkzeuge und Programme, die mit dem GIF-Format umgehen können; vor allem Browser, GIF-Erstellungsprogramme oder -Werkzeuge im Internet oder systemeigene Bildbetrachter gehören dazu. Wobei im letzteren Fall schon Einschränkungen auftreten können, wie beispielsweise bei Windows:

Animated GIF files aren’t fully supported. For this file format, you can view the still image but not the animation.

Als erster wichtiger Grafik-Standard des WWW haben sich nicht nur viele GIFs auf Internetseiten bis heute gehalten, sondern auch die Fähigkeit der meisten Programme, diese zu lesen. Dennoch empfiehlt die Free Software Foundation im oben verlinkten Artikel, GIFs jeglicher Art nicht zu verwenden, da die Lizenzbestimmungen, auch wenn sie ausgelaufen sind, den Prinzipien der freien Software und des freien Internets zuwider laufen. Als Alternative wird an dieser Stelle PNG empfohlen, welches auch seit den späten Neunzigern von den gängigsten Browsern unterstützt wird. Dennoch ist eine umfassende und weitgehend fehlerfreie Einbindung von PNG in Programmen erst seit etwa 2006 der Fall, von der bislang mangelhaften Einbettung von MNG ganz zu schweigen. Der Wechsel von GIF zu PNG bei Einzelbildern ist also unterdessen kein Problem mehr und wird von mehreren Seiten ausdrücklich empfohlen, in Sachen Animation sucht GIF jedoch weiterhin seinesgleichen.*⁵

Für Animationen auf Internetseiten gewann Flash zunehmend an Bedeutung, für welches die Bandbreite unterdessen ausreichend war.*⁶ Doch einerseits ist das Funktionsprinzip von Flash-Animationen ein anderes als bei GIFs und andererseits erlebt dieses Format in den letzten Jahren ebenso einen Nutzungsrückgang. Für auf Internetseiten eingebundene Animationen im Stil der 90er findet GIF nur noch marginal Anwendung. Hierfür wären animierte Smileys ein Beispiel. In eher textlastigen und unaufdringlich gestalteten Umgebungen wie Chats und Foren würden Flash-Animationen schnell zu aufgeblasen wirken, wenn es nur darum geht, ein kleines Augenzwinkern zu kommunizieren. Hinzukommend ist für deren Darstellung immer ein Plugin nötig, da Browser das Format nicht serienmäßig unterstützen.

Die Daten-Bandbreite, welche den Anwendern für den Internetzugriff zur Verfügung stand, war einst der Grund für die schmale Dateigröße des GIF-Formats, entwickelte sich jedoch im Laufe der Zeit weitaus rasanter als das Dateiformat selbst. Ein recht deutliches Zeugnis von dieser Entwicklung ergibt der Vergleich zweier Kommentare über GIFs: Aus Gründen der Prozessorbelastung riet ein Buch zur Einführung in Grafikdateiformate noch im Jahr 2000 davon ab, GIFs mit endloser Dauerschleife anzulegen.*⁷ Heutzutage wiederum ist es beispielsweise dem Blog Gizmodo bereits eine Meldung wert, wenn die New York Times ein GIF fälschlicherweise mit nur einem einzigen Durchlauf in einem ihrer Internet-Artikel anzeigt, wo doch die CPU-Belastung durch GIFs keine große Sorge mehr bereitet und endlose Dauerschleifen bei GIFs Usus sind. Wenn GIFs sowohl für einfache Bilder als auch Animationen in technischer Hinsicht überholt sind, aber dennoch eine große Verbreitung im Internet genießen, so sind die Gründe hierfür offensichtlich anderer Natur als bei der ersten Verbreitungswelle von GIFs. Was also abgesehen vom hier geschilderten technischen Hintergrund von Webanimationen dafür verantwortlich ist, dass GIFs zu einem bedeutenden kulturellen Phänomen geworden sind, soll schließlich in Teil 5 näher betrachtet werden.

Fußnoten:

1 – Vgl. Miano, John (1999): „Compressed Image File Formats: JPEG, PNG, GIF, XBM, BMP“, Addison-Wesley, Reading (Massachusettes) u.a., 2. Auflage 2000, S. 188.

2 – Vgl. Niederst, Jennifer (2002): „Webdesign in a Nutshell“, O’Reilly, Peking (u.a.), deutsche Ausgabe, S. 358.

3 – Vgl. Miano, John (1999), S. 212.

4 – Abwärtskompatibel bedeutet in diesem Fall, dass Programme, welche die Animation eines APNG nicht erkennen, die Datei als herkömmliche PNG interpretieren und zumindest ein einzelnes Standbild zeigen.

5 – Die Formulierung dass GIFs weiterhin ihresgleichen suchen würden stammt noch aus einer früheren Fassung dieses Texts, als ich Anfang 2013 meine Bachelorthesis schrieb. Allerdings finde ich diese Aussage nach wie vor zutreffend, ob wohl dieses Jahr (2014) gleich mehrere mögliche Alternativen zu GIFs auf den Plan getreten sind, sei es WebM oder GIFV. Mit dieser jüngsten Entwicklung werde ich mich ausführlich in kommenden Blogeinträgen beschäftigen.

6 – Ein sicherlich interessanter, aber an dieser Stelle zu ausschweifender, Exkurs wäre ein kulturwissenschaftlicher Rückblick auf die einst sehr weit verbreiteten doch mittlerweile fast ausgestorbenen Flash-Intros, welche als Einstieg in eine Internetseite eine kurze Animation zeigten. Ähnlich dem exzessiven Gebrauch von GIFs als Gestaltungselement, entsteht bei den Flash-Intros der Eindruck, sie wurden geradezu zwanghaft eingebunden, schlichtweg weil mittlerweile die technische Möglichkeit für sie gegeben war.

7 – Vgl. John Miano (1999), S.186f.

GIF-Geschichte Teil 3: Die Entdeckung der Animation

Vorherige Artikel der Serie: Einleitung, Teil 1, Teil 2.

First GIF of the web
Source: www.dvice.com

Das GIF-Format war eines der ersten Bildformate, das von Browsern dargestellt wurde und war über lange Zeit auch das beliebteste. Somit war es in den ersten Jahren des WWW de-facto ein Standard für die Darstellung von Bildern im Netz. Die Legende will es, dass das erste Foto im WWW das oben zu sehende (nicht animierte!) GIF der “Horribles Cernettes” gewesen sei. Als PNG antrat, um eine Alternative zu bieten, war die Möglichkeit, mit GIFs Animationen zu erzeugen noch völlig unbekannt. In der Literatur ist noch Mitte der Neunzigerjahre etwa in den entsprechenden Kapiteln der „Encyclopedia of Graphic Formats“ oder in „Graphic File Formats“ keine Rede von Animationen, sondern bestenfalls von „multiple images“*⁴. 1996 jedoch erschien mit „GIF Animation Studio“ eine Anleitung zur Gestaltung animierter Inhalte auf Internetseiten. Darin stehen die äußerst treffenden Worte:

The face of the web is changing. It’s a far cry from the text and graphics medium it was a year or so ago. Today, the Web is moving, making sounds, constantly grabbing your attention, raising the noise level. GIF animation is a part of that process.*⁵

Im gleichen Werk findet sich der Verweis auf einen Artikel von Andrew Leonard auf webreview.com vom 9. Februar 1996. Im Original ist dieser zwar nicht mehr im Netz aufzufinden, doch das Internet Archive hat noch noch eine Kopie vorzuweisen.*⁶ Dankenswerterweise wurde dort neben dem Text noch die GIF-animierte L-Initiale am Anfang des Artikels als Kleinod des GIF-basierten Seitendesigns bewahrt.

Leonard berichtet von der (Wieder-)Entdeckung der Animationsmöglichkeit mithilfe von GIF-Dateien. Anfang 1995 suchte der deutsche Programmierer Heiner Wolf einen Weg, Anima­tionen im Web darzustellen und stieß dabei in den GIF-Spezifikationen auf die Serienbild-Funktion.*⁷ Da zur Anzeige von GIFs keine Vorgaben definiert waren, konnte zu diesem Zeitpunkt noch kein Browser animierte GIFs darstellen. Um diesem Missstand zu begegnen, verbreitete Wolf seine Idee, in der Hoffnung, jemand mit den entsprechenden Mitteln nehme sich des Problems an. Bald erfuhr Netscape davon und ermöglichte die GIF-Anzeige in ihrem Browser Netscape Navigator, ohne diese neue Funktion jedoch publik zu machen.*⁸

Weshalb dies nicht geschah, lässt sich nur schwer vermuten, doch die Umstände für GIF waren zu diesem Zeitpunkt nicht besonders gut – es war kaum ein Jahr her, dass UniSys begann, Gebühren einzufordern (vgl. Teil 1). Da mit PNG eine vielversprechende Alternative gefunden war, wurde GIF womöglich ohnehin keine große Zukunft zugestanden. Oder Netscape befürchtete durch eine Neuerung bei der Einbindung von GIFs auch erneut anfallende Gebühren. Wie dem auch sein mag, allgemein bekannt wurde die Möglichkeit, animierte GIFs darzustellen, erst im Dezember des Jahres 1995. Ähnlich wie Wolf suchte Royal Frazier nach einfachen Animationsmöglichkeiten im Internet, entdeckte ebenso Animierte GIFs und verkündete diese Meldung in verschiedenen Newsgroups.*⁹ Im Test, welcher Browser diese anzeigte, konnte lediglich der Netscape Navigator bestehen. Später zogen andere Browser nach.

Zwar wurde kein Standard definiert, wie GIFs als Animationen angezeigt werden sollen, dennoch geschah dies in verschiedenen Browsern generell in der gleichen Weise.*¹⁰ Die in der Datei enthaltenen Einzelbilder wurden nacheinander angezeigt. Obwohl die Animation nicht die ursprüngliche Intention war, lassen sich Zeitabstand und Anzahl der Bilddurchläufe definieren. Besteht diese Bilderserie aus unzusammenhängenden Abbildungen, ähnelt der durch die Abfolge der Bilder entstehende Effekt am ehesten einer Diaschau. Doch bei aufeinander aufbauenden Bildern einer Bewegungsserie, die in  großer Geschwindigkeit nacheinander angezeigt werden, entsteht unter diesen Umständen eine Animation. Der entstehende Effekt lässt sich vereinfachend beispielsweise mit der eines Daumenkinos*¹¹ oder des Animationsfilms*¹² veranschaulichen. Bei genügend großem Abspieltempo entsteht durch Nachbild– und Stroboskopeffekt die Illusion einer Bewegung. Die Verwandtschaft zum Kino und dessen Vorläufern ist offensichtlich. Ähnlich der Arbeitsweise des Animationsfilms kann bei GIFs das erste Bild der Serie als Hintergrund dienen und die weiteren Bilder legen sich wie Folien darüber (hierbei erweist sich die mögliche Transparenz eines GIFs als Vorteil).

Aufgrund dieser einfachen Funktionsweise blieb GIF trotz der Lizenzprobleme ein beliebtes Gestaltungsmittel auf Internetseiten. Für Einzelbilder bestand mit PNG eine bessere Alternative, die sich zunehmender Beliebtheit erfreute. Doch was Animationen anbelangt, waren GIFs ihrerseits das Format der Wahl. Animationen sind bereits rudimentär mittels bspw. Macromedia Shockwave möglich gewesen, für einfache oder kleine Animationen war dies aber kom­plexer als nötig.*¹³ Demgegenüber bieten GIFs gewisse Vorteile, welche in GIF Animation Studio zusammengefasst werden:*¹⁴

  • Das Anschauen von GIFs ist unabhängig von speziellen Programmen oder Plugins
  • GIF ist ein Standard-Dateiformat und wird somit weitgehend unterstützt
  • GIF-Dateien sind einfach selbst zu erstellen und hierfür standen eine Vielzahl an Programmen auf unterschiedlichen Betriebssystemen zur Verfügung
  • GIFs werden bereits während des Ladens angezeigt, anders als etwa bei Shockwave.

Selbst die gegenüberstehenden Nachteile (GIFs können keinen Ton abspielen und ermöglichen keine Interaktion) standen der Etablierung von GIFs als gestalterischem Mittel auf Internetseiten vorerst nicht im Weg, sodass dies zum ersten weithin genutzten Anwendungsbereich animierter GIFs wurde. Insbesondere die bei GeoCities angesiedelten Internetseiten waren ein Schauplatz der Einbeziehung von GIFs in die Seitengestaltung, wobei neben sich drehenden Erdbällen, rotierenden @-Zeichen und „Under Construction“-Schildern auch schon erste künstlerische Auseinandersetzungen mit dem Format zu beobachten waren.

Das Internet wäre nicht das Internet, wenn es sein Gesicht nicht stetig innerhalb weniger Jahre völlig verändern würde. So war es auch während dieser ersten Blütezeit animierter GIFs um die Jahrtausendwende. Neue Ansätze für Webdesign entwickelten sich und andere Wege, um Animationen im Netz darzustellen, kamen auf. Aber nach wie vor sind GIFs heute noch an jeder Ecke des Internets anzutreffen. Wie es dazu kommen konnte, dass sie ihren Weg von den Zappelbildern der späten Neunziger bishin zu den Meme-Schleudern des heutigen Internets gebracht haben, werden Teil 4 und 5 dieser kleinen Serie erzählen.

 

Fußnoten:


1 – Vgl. Niederst, Jennifer (2002): „Webdesign in a Nutshell“, O’Reilly, Peking (u.a.), deutsche Ausgabe, S. 357.

2 – Murray, James D.; VanRyper, William (1994): „Encyclopedia of Graphic File Formats“, O’Reilly, Sebastopol (Kalifornien).

3 – Kay, David C.; Levine, John R. (1995): „Graphics File Formats“, Windcrest/McGraw-Hill, New York (u.a.).

4 – Vgl. a.a.O., S. 97.

5 – Vgl. Koman, Richard (1996): „GIF Animation Studio. Animating Your Web Site“, O’Reilly, Sebastopol (Kalifornien), S. 1.

6 – Die Verweise sind dennoch auf die gedruckte Fassung, wie sie in Auszügen in Koman, Richard (1996) erschien, ausgewiesen.

7 – Vgl. Koman, Richard (1996), S. 4.

8 – Vgl. a.a.O.,  S. 5.

9 – Vgl. a.a.O.,  S. 4-5.

10 – Vgl. Miano, John (1999): „Compressed Image File Formats: JPEG, PNG, GIF, XBM, BMP“, Addison-Wesley, Reading (Massachusettes) u.a., 2. Auflage 2000, S.186.

11 – Fischer, Sven (2002) nennt GIFs auf S. 138 („Grafikformate ge-packt“, mitp, Bonn) „eine Art digitales Daumenkino“, obgleich natürlich auch das Daumenkino selbst im eigentlichen Sinne digital ist.

12 – Vgl. Koman, Richard (1996), S. 6.

13 – Vgl. a.a.O., S. ⅷ.

14 – Vgl. a.a.O., S. 2f.

GIF-Geschichte Teil 2: Burn ALL the GIFs!

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Vorherige Artikel der Serie: Einleitung, Teil 1.

Die für GIF-Dateien verwendete LZW-Komprimierungsmethode – der Lempel-Ziv-Welch­Algorithmus (US-Patent 4558302) – war keine eigene Entwicklung von CompuServe und existierte bereits einige Jahre zuvor. Doch das GIF-Format wurde zur freien Benutzung vorgestellt, weshalb allgemein davon ausgegangen wurde, es stünde vollständig unter Public Domain. Dies sollte sich jedoch alsbald als Fehlschluss herausstellen, als 1994 die UniSys Corporation die Rechte am LZW-Verfahren erwarb und verkündete, Nutzungsgebühren hierfür zu verlangen. Dies betraf zwar nicht die Benutzung des GIF-Formats selbst, allerdings alle Programme (auch nichtkommerzielle), welche GIFs erstellen und darstellen – genauer gesagt encodieren und decodieren – können. Nur durch das Erstellen oder Betrachten selbst hatten Anwender dieser Programme jedoch keine Gebührenforderungen zu fürchten. Dennoch machte sich eine gewisse Unsicherheit, aber vor allem Empörung über die Lizenzgebühren breit.*⁴ Es standen noch weitere Patente mit dieser Komprimierungsmethode in Verbindung, die zunächst von CompuServe bei der Entwicklung von GIF nicht als mögliches Problem bedacht wurden. Noch Jahre später schien es deshalb nicht so, als könnte Klarheit in dieser Kontroverse geschaffen werden.*⁵

Die Empörung über die Lizenz-Handhabung mündete schließlich sogar in einem Aufruf zum GIF-Boykott mit dem Motto „Burn All GIFs!“, um gleichzeitig das als freie Alternative entwickelte Format PNG zu etablieren. Die Abkürzung steht wahlweise, nach allgemeiner Auffassung, für Portable Network Graphic oder doch eher, aus Sicht der Entwickler, für PNG’s Not GIF. Unmittelbar nachdem UniSys die Gebührenerhebung verkündete, arbeiteten einige Programmierer auf die Initiative von Thomas Boutell im RFC 2083 hin am PNG-Format, welches 1996 zur Empfehlung des W3C wurde.*⁶ Da dieses als Ersatz für das GIF-Format gedacht war, bietet es im wesentlichen auch die gleichen Voraussetzungen, nur in einer verbesserten Version. So ist die Farbtiefe bei PNG weitaus größer und die Komprimierungsmethode ist frei verfügbare Software, was nach der Erfahrung mit UniSys der wohl wichtigste Punkt für PNG war.

Da Animationen zu diesem Zeitpunkt auch bei GIFs noch nicht genutzt wurden, war diese Funktion auch in PNG zunächst noch nicht vorhanden. Dies änderte sich in den Folgejahren, doch dazu später mehr. Es gelang also in einer beispielhaften Gemeinschaftsaktion der Freie-Software-Bewegung, mit PNG als neuem und besserem Grafikformat, den Lizenzforderungen seitens UniSys zu entgehen, welche um ein Haar der Sargnagel für das Graphics Interchange Format gewesen wären. Und angesichts dieser neuen und besseren Alternative hätte die Geschichte der GIFs beinahe geendet, ohne dass das Kapitel Animiertes GIF überhaupt aufgeschlagen worden wäre. Allerdings sorgte das Jahr 1995 dafür, dass mit „hätte“ nicht das letzte Wort gesprochen ist – dazu mehr in Teil 3.

 

Fußnoten:


1 – Nerdgag. Hier geklaut.

2 – Vgl. Koman, Richard (1996): „GIF Animation Studio. Animating Your Web Site“, O’Reilly, Sebastopol (Kalifornien), S. 7.

3 – Vgl. Miano, John (1999): „Compressed Image File Formats: JPEG, PNG, GIF, XBM, BMP“, Addison-Wesley, Reading (Massachusettes) u.a., 2. Auflage 2000, S. 187.

4 – Vgl. ebd.

5 – Vgl. a.a.O., S. 187f

6 – Vgl. Niederst, Jennifer (2002): „Webdesign in a Nutshell“, O’Reilly, Peking (u.a.), deutsche Ausgabe, S. 383f.

GIF-Geschichte Teil 1: Die Ursprünge in der Mailbox

1987 wurde die erste Version des GIF-Formats vom Unternehmen CompuServe entwickelt, welches als Mailboxbetreiber hiermit eine einfache Übertragung farbiger Fotos trotz ge­ringer Bandbreite ermöglichen wollte. Dementsprechend wurde auch der Namensbestandteil Interchange, also Austausch, gewählt. Zwei Jahre später wurden einige Weiterentwicklungen integriert, sodass es nunmehr zwei verschiedene Versionen gibt: Das ursprüngliche GIF87a (1987) und das spätere GIF89a (1989). Und in der Tat hat sich in der Weiterentwicklung des Formats seitdem „nichts mehr getan“, sodass auch die heute verwendeten GIFs dem Standard von 1989 folgen. Die geringe Dateigröße im Dienste guter Übertragbarkeit im Internet liegt unter anderem in der geringen Farbtiefe begründet – als 8-Bit-Grafik sind nur bis zu 256 verlustfrei komprimierte Farben möglich. Gerade im Vergleich zu späteren Grafikformaten werden die damit zwangsläufig einhergehenden Qualitätseinbußen ersichtlich. Dies fällt etwa als deutliche Rasterung des Bildes ins Auge, da nicht in der Palette vorhandene und somit eigentlich nicht darstellbare Farben durch das jeweilige Grafikprogramm mithilfe von Pixel-Mischung anderer Farben simuliert werden. Solange hingegen nur wenige Farben und deutlich abgegrenzte Flächen dargestellt werden sollen, kann mit dem GIF-Format eine sehr gute Qualität erreicht werden. Demzufolge waren GIFs durchaus gefragt, wovon manch BBS-Werbung zeugt (weitere Beispiele sind hier zu sehen):

BBS ad
Source: http://www.vintagecomputing.com

Ein weiteres Mittel zur Reduzierung der Dateigröße ist die Komprimierung, welche bei GIFs im LZW-Verfahren stattfindet, das später eine geradezu schicksalsträchtige Rolle in der Geschichte der GIFs spielte. Mit der Version GIF89a wurde neben der Möglichkeit, Transparenzen zu verwenden, auch die Funktion eingebaut, mehrere Bilder in einer Datei zu übertragen. Dies ist die entscheidende Eigenschaft, welche Animationen mittels GIF ermöglicht und sollte sich später als die wesentliche Daseinsberechtigung für das Format herausstellen. Doch die Entwickler hatten hierauf nicht den Fokus gelegt. In den Spezifikationen zum GIF-Dateiformat findet sich im Anhang D der Kommentar:

The Graphics Interchange Format is not intended as a platform for animation, even though it can be done in a limited way.*⁴

Vielmehr bestand der Nutzen einer solchen Bildserie darin, mehrere Bilder nicht einzeln, sondern innerhalb einer Datei übertragen zu können. Hierbei stand weiterhin die Übertragung per Mail im Vordergrund, denn die Erfindung des GIF-Formats geschah bereits einige Jahre vor der Öffnung des World Wide Web, in dem sich das Format aber schließlich auch schnell als Standard etablierte. Zwar wurde im Laufe der Zeit immer mehr Menschen der Zugang zum Internet und dem WWW möglich, doch zunächst war es hauptsächlich an Universitäten in Gebrauch. Hierbei war die Entwicklung in den USA am weitesten fortgeschritten, andere Länder waren technologisch meist einige Jahre hinterher. So wie die erste Entwicklungsphase des GIF-Formats also insbesondere von den USA ausging, hat auch das Patent, welches fast zum Ende von GIF-Bildern geführt hätte, hier seinen Ursprung. Dazu mehr in Teil 2.

 

Anmerkung:

Vielen Dank an Eick für die BBS-Links!

Fußnoten:


1 – Vgl. Holtorf, Klaus (1994): „Handbuch der Grafikformate. Ausführliche Beschreibung von Bitmap-Grafikformaten, Konvertierungstips, Konvertierungssoftware“, Franzis, Poing, 2. verbesserte Auflage, S. 87.

2 – Vgl. Fischer, Sven (2002): „Grafikformate ge-packt“, mitp, Bonn, S. 124.

3 – Vgl. a.a.O., S. 125.

4 – Zitiert nach Kay, David C.; Levine, John R. (1995): „Graphics File Formats“, Windcrest/McGraw-Hill, New York (u.a.), S. 125.

Eine Kulturgeschichte der animierten GIFs

Natürlich ist da zunächst die Frage, weshalb ich an dieser Stelle wieder einmal die Entwicklung des GIF-Formats erzähle. Insbesondere seit dem GIF-Jubiläum 2012 gab es bereits zahlreiche Artikel über die Geschichte animierter GIFs. Aber erstens hab ich den Text ohnehin bereits als Teil meiner Bachelorarbeit geschrieben gehabt und andererseits ist mir bislang kein anderer deutscher Text bekannt, welcher die GIF-Geschichte nachzeichnet. Als Bonus gibt es sogar Fußnoten zu weiterführenden Quellen:) Wegen seiner Länge ist der Text in mehrere Artikel aufgeteilt.

Direkt zu den Artikeln: Teil 1 / 2 / 3 / 4 / 5

Das GIF-Format blickt mittlerweile auf mehr als ein Vierteljahrhundert Geschichte zurück und entstand in einer Zeit, als zwar das Internet, aber noch nicht das World Wide Web existierte. Auf dem Weg von der Einführung bis zur heutigen Prominenz von GIFs sind vier wesentliche Aspekte zu beobachten. Im ersten Teil dieses geschichtlichen Überblicks soll die Entstehung und Etablierung des Formats kurz beleuchtet werden. Die damalige Anwendung von GIF-Dateien unterschied sich stark von der heutigen, da die Animation noch keine Rolle spielte. Anfang der Neunziger ist das GIF-Format im aufkommenden WWW zum meist genutzten Grafikformat des Internets geworden. Durch Lizenzprobleme mit dem Format kam ein wichtiger Umstand hinzu, welcher die Nutzungsgeschichte des GIF-Formats fast beendet hätte (siehe Teil 2). Erst kurz darauf wurden sich die Internetnutzer der Animationsmöglichkeiten bewusst, was GIFs einen überraschenden erneuten Beliebtheitsschub als Gestaltungsmittel für Internetseiten verschaffte (siehe Teil 3). Der bis dato letzte wesentliche Entwicklungsschritt trat schließlich Mitte des ersten Jahrzehnts im 21. Jahrhundert ein und wirkt noch immer. Nachdem für Animationen zuvor bereits aufwändigere Techniken in Gebrauch kamen, wandelten sich GIFs nun vom Gestaltungselement zum Unterhaltungsmedium. Parallel dazu entstanden auch andere Formate, welche GIFs zum Teil ersetzen oder dies zumindest zum Ziel haben; hierauf gehen schließlich Teil 4 und 5 ein.

 

Links zu anderen Texten über die GIF-Geschichte:

Johnson, Paddy: “A Brief History of Animated GIF Art”, on artnet.com. Part 1 / Part 2 / Part 3 / Part 4

Alfonso III, Fernando: “The animated history of the GIF“, on dailydot.com