GIF-Geschichte Teil 2: Burn ALL the GIFs!

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Vorherige Artikel der Serie: Einleitung, Teil 1.

Die für GIF-Dateien verwendete LZW-Komprimierungsmethode – der Lempel-Ziv-Welch­Algorithmus (US-Patent 4558302) – war keine eigene Entwicklung von CompuServe und existierte bereits einige Jahre zuvor. Doch das GIF-Format wurde zur freien Benutzung vorgestellt, weshalb allgemein davon ausgegangen wurde, es stünde vollständig unter Public Domain. Dies sollte sich jedoch alsbald als Fehlschluss herausstellen, als 1994 die UniSys Corporation die Rechte am LZW-Verfahren erwarb und verkündete, Nutzungsgebühren hierfür zu verlangen. Dies betraf zwar nicht die Benutzung des GIF-Formats selbst, allerdings alle Programme (auch nichtkommerzielle), welche GIFs erstellen und darstellen – genauer gesagt encodieren und decodieren – können. Nur durch das Erstellen oder Betrachten selbst hatten Anwender dieser Programme jedoch keine Gebührenforderungen zu fürchten. Dennoch machte sich eine gewisse Unsicherheit, aber vor allem Empörung über die Lizenzgebühren breit.*⁴ Es standen noch weitere Patente mit dieser Komprimierungsmethode in Verbindung, die zunächst von CompuServe bei der Entwicklung von GIF nicht als mögliches Problem bedacht wurden. Noch Jahre später schien es deshalb nicht so, als könnte Klarheit in dieser Kontroverse geschaffen werden.*⁵

Die Empörung über die Lizenz-Handhabung mündete schließlich sogar in einem Aufruf zum GIF-Boykott mit dem Motto „Burn All GIFs!“, um gleichzeitig das als freie Alternative entwickelte Format PNG zu etablieren. Die Abkürzung steht wahlweise, nach allgemeiner Auffassung, für Portable Network Graphic oder doch eher, aus Sicht der Entwickler, für PNG’s Not GIF. Unmittelbar nachdem UniSys die Gebührenerhebung verkündete, arbeiteten einige Programmierer auf die Initiative von Thomas Boutell im RFC 2083 hin am PNG-Format, welches 1996 zur Empfehlung des W3C wurde.*⁶ Da dieses als Ersatz für das GIF-Format gedacht war, bietet es im wesentlichen auch die gleichen Voraussetzungen, nur in einer verbesserten Version. So ist die Farbtiefe bei PNG weitaus größer und die Komprimierungsmethode ist frei verfügbare Software, was nach der Erfahrung mit UniSys der wohl wichtigste Punkt für PNG war.

Da Animationen zu diesem Zeitpunkt auch bei GIFs noch nicht genutzt wurden, war diese Funktion auch in PNG zunächst noch nicht vorhanden. Dies änderte sich in den Folgejahren, doch dazu später mehr. Es gelang also in einer beispielhaften Gemeinschaftsaktion der Freie-Software-Bewegung, mit PNG als neuem und besserem Grafikformat, den Lizenzforderungen seitens UniSys zu entgehen, welche um ein Haar der Sargnagel für das Graphics Interchange Format gewesen wären. Und angesichts dieser neuen und besseren Alternative hätte die Geschichte der GIFs beinahe geendet, ohne dass das Kapitel Animiertes GIF überhaupt aufgeschlagen worden wäre. Allerdings sorgte das Jahr 1995 dafür, dass mit „hätte“ nicht das letzte Wort gesprochen ist – dazu mehr in Teil 3.

 

Fußnoten:


1 – Nerdgag. Hier geklaut.

2 – Vgl. Koman, Richard (1996): „GIF Animation Studio. Animating Your Web Site“, O’Reilly, Sebastopol (Kalifornien), S. 7.

3 – Vgl. Miano, John (1999): „Compressed Image File Formats: JPEG, PNG, GIF, XBM, BMP“, Addison-Wesley, Reading (Massachusettes) u.a., 2. Auflage 2000, S. 187.

4 – Vgl. ebd.

5 – Vgl. a.a.O., S. 187f

6 – Vgl. Niederst, Jennifer (2002): „Webdesign in a Nutshell“, O’Reilly, Peking (u.a.), deutsche Ausgabe, S. 383f.

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